
Stadtindianer, eine Idee fŸr
zeitgenšssisches Kulturerleben
68-08
Im Merz vierundneunzig wurde
eine langentwickelte Kunstauffassung zu einem Manifest verfasst,
welches
das Fundament bildete fŸr die
GrŸndungs-Satzung eines Kunstvereins gemeinnŸtziger ART.
Kunstvereine sind ja nicht
gerade KŸnstlers Traum,
aber in diesem Fall war dieser
rechtsbŸrgerliche Schritt
der Kunstidee fšrderlich und
erschien uns angemessen,
denn durch diesen demokratischen
Akt wurde ein
Kunst-Manifest zum
gesellschaftlich, erkannten Zeitzeichen
kritisches Auge und Ohr unserer
Kulturwelt sollten wir sein,
den Geist der avantgarden
Kunstideen zu immer neuen Wahrnehmungen und Zielen treiben,
im Kampf fŸr die Freiheit fŸr
Kunst und Leben /
was a long way to run, bis es
dazu kam, dass zum Vereinen getrommelt und geblasen wurde,
noch viel lŠnger ist der rote
Faden, den wir fanden,
als wir zu den AnfŠngen einer
solchen Ideenwelt zurŸckkehren wollten /
Ich* denke, dass es an der Zeit
ist, die vergangenen Ereignisse, welche diese Ideen vorbereiteten,
aufzuzeichnen, ja sehe mich
nahezu verpflichtet,
als Ursonate quasi, zur gro§en
Stammes- ErzŠhlung einzulŠuten,
aufzurufen, ja, selbst damit zu
beginnen /
wir erstellten zu diesem Anlass
eine Dokumentations-Sonderschau,
zur eigenen Erbauung, Erinnerung
an vergangenes Schaffen, aber auch Danksagung
an die vielen Menschen, denen
wir begegnen durften -
ihrer Herzlichkeit, dem
engagiertem Kunsttreiben und
ihren spirituellen Energien /
Ku n s tSCHRITTE
in eine ungewisse Zukunft,
im Namen der Kunst schlossen sie
diese Illusion
in ihr Herz, beseelten sie mit
ihren eigenen, originŠren Kunstvorstellungen und LebenstrŠumen /
die Verwirklichung dieser
KunsttrŠume vollzog sich auf vielerlei Ebenen,
aber in der gemeinsamen Freude
Ÿber Vergangenes und ZukŸnftiges liegt die immerwŠhrende Energie,
bei der man so leicht auch ins
Trudeln gerŠt, wenn das Raubtier Alltag dich aufbringt /
der KŸnstler mu§ sich an das
stŠndig neu auflodernde Begehren gewšhnen,
dem inneren Ruf folgen zu mŸssen
/
wir haben uns auf den Weg
gemacht,
um diese Begebenheiten
einzusammeln und niederzuschreiben /
es gibt einen Satz, der
unangreifbar ist,
soll H.C.Artmann mal
gesagt haben,
nŠmlich der, dass man
Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen
zu haben –
Vorbedingung ist aber der
mehr oder minder gefŸhlte Wunsch, poetisch handeln zu wollen /
diesem Wunsch folgend verweben
wir Ereignisse, Erinnerungen,
Ideen und Lebensphilosophien
einer Zeit zum Talking Blues gelebter Kunstutopien /
in den heutigen Tagen hat die
Kunst nunmehr fast allerorts sich Zugang verschafft,
wird aber auch gleicherma§en von
einer kommerziell ausgerichteten,
dumpfen hightech Gesellschaft zu
banal zerstšrerischen VergnŸgungsevents abgekocht /
diesen kulturvernichtenden
Tendenzen mŸssen wir stets Einhalt
gebieten,
mit zeitgerechter Kulturarbeit,
persšnlichem Engagement und
visionŠren KunsttrŠumen die
TŸren šffnen und
unsere kŸntlerischen
Wahrnehmungswelten zu beschŸtzen,
das sind Inhalte heutiger
Kunstphilosophien und aktiver Kulturarbeit
KŸnstler, Scout, Vermittler -
Stadtindianer
Erinnerung un Wirklichkeit
iss wien Butterbrot voll
JemŸhtlichkeit
Stadtindianer
– Brief
in
the beginning / 1972 – 1994
von Celuba Giacometti,
Visionist
fŸr EM.EM. begann der gro§e
trail Mitte der Sechziger, Anfang der Siebziger /
sie tauchten ein in ihr Leben
und wenn das Licht langsam dunkler wird,
wir uns in die Seelen kuscheln,
das emsige Gequassele verstummt,
ist alles wieder so nah un
wirklich, diese unsŠglich vielen steps to heaven /
1972 war es, als ich junger
KunstschŸler einen dieser magischen Orte kennenlernte,
die das Leben fŸr einen
bereithŠlt,
diese Mischung aus alternativer
Kunstbar und trendsettender Erlebniskneipe –
never seen before, but ist all
right, ma, mit der Wahrhaftigkeit eines Flairs /
in dem Moment, da ich das erste
Mal Edward Kienholzens« Installation einer Highway-Bar,
in einer der
Beetween-Ausstellungen in der Kunsthalle betrat,
durchstršmte es mich warm und
spacy zugleich –
es war wie in dieser eben neu
entdeckten Kunstzelle, der kleinen Kunstzelle BABS«,
an der Peripherie der Altstadt,
nahe dem Schwanenmarkt,
auf der Hohestrasse in
DŸsseldorf,
an der DŸssel, am Rhein, im Land
am Fluss, stets in Bewegung –
auf zu neuen Ufern /
der Spirit der Kunst kennt keine
Grenzen –
wenn die Kunst Ÿberlebt,
Ÿberleben auch die Menschen
mit ihren Geschichten, mit euren
Geschichten /
das Kunstempfinden hatte sich
mit seiner Zeit verŠndert und
so war es mšglich,
dass wir aufgeschlossene
Menschen trafen,
welche bereit waren, nicht ganz uneigennŸtzig,
ihre Refugien zu šffnen und der
Kunst Einlass zu gewŠhren /
die skeptischen Kollegen,
Leitbilder, Lehrer
sie proklamierten noch den
Niedergang der Kunst,
doch auch sie begannen sich zu
šffnen, neu zu rŸsten,
fanden allmŠhlich Gefallen
daran,
ihrer Arbeit so nah sein zu
kšnnen, mit diesem direkten Kontakt zu ihrem Publikum,
einer Inspiration interessierter
Bewunderer,
gleichsam auch Pegel der
Wahrnehmung und Kratzbaum des Egos,
šffentliches Kundtun oder
geheimnisvolles Infizieren,
zitieren, rezitieren,
diskutieren, kreieren, debattieren,
Kunst suchen, KŸnstler finden,
Kunst sein, KŸnstler sein /
eine standpunktbezogene
Lebensart ermšglichte dies,
einzigartig,urig,spirituell /
noch war es mehr eine geheime
Salonkunst,
aber es konnte eigentlich jeder,
der wollte,
sie miterleben, mitgestalten/
just in that moment - šffnete
ich den Vorhang zu dieser kleinen Kunstzelle,
einer Oase mitten im Tumult
unserer Zeit,
Schauplatz fŸr culturekicks,
stand up art und
beschŸtzender Hafen fŸr feine
Illusionen /
immer wieder tauchen Konterfeie
auf und GesprŠchsfetzten
werden zu Marginalien von Zeit +
Raum,
untertiteln die Bilder im Kopf,
verstŠrken das GefŸhl,
dass unsere Suche einen Sinn
macht /
noch, war wie meist der Sog zum
Trog der Motor vieler Kunstschaffenden,
die ewige Sucht nach Anerkennung
und Erfolg, /
den noch jungen KŸnstlern wurde
klar, dass ihr Schaffen neue Inhalte benštigte,
andere Ausdrucksmittel erfunden
werden mussten,
um dem Ruf der Erneuerung folgen
zu kšnnen /
unsere GemŸter explodierten im
Strudel einer gerade beginnenden Neuzeit /
the sixtys are on and over /
Musik bestimmte den Lifestyle
dieser Jahre und tut es
noch bis heute, als Symbol
unserer Verbundenheit /
begŸnstigt durch diese
Anwandlungen fanden sich
creative Menschen aller Couleurs
zusammen,
KŸnstler, *Musiker, Literaten,
Darsteller, Foto, Video, Fluxus
lets get
free , lets make love, lets do it, this little lamerica fuck /
alle wollten alles mit allem,
eine grenzenlose Kunst erleben /
fighten fŸr all das, was es noch
nicht gab, ausser in unseren
TrŠumen, SehnsŸchten und
Hoffnungen /
Stadtteil-Blues / Weichbild der
Hohestrasse / Dada-Hommage
Celuba springt auf und schaut
auf die Strasse ,
: ã man, war das ein Getšse in
diesem engen Schlauch,
wo Rauch und Grilldunst jegliche
Sicht vernebelten,
erst kurz vor dem Aufprall sich
ein GegenŸber erkennen lie§ /
sie alle erzŠhlten sich eins
Ÿber die wahre Kunst undihre Kraft /
Rolf Pretorius erzŠhlte es
seiner Hundedame Dolly ,
wŠhrend Ernst Ockart die
verlorenen Jahre verfluchte,
slapstickte Otto A. Engelhart
mit vollem SchmŠh, Thadeus suchte mal wieder den Fahrer,
was Palermo und Canossa nicht
weiter abhielt, den nŠchsten Schaumwein zu kšpfen,
Kliege fŸllte seine
Stoffsardinen in Dosen oder war es doch der Klienzing,
Zangerles Marionetten lauerten
Ÿberall und Heinrich Zwang ritt seine Jambal,
Sigmar Polke legte Ÿber alles
ein Raster, wŠhrend Memphis seinen Duckdance celebrierte,
konnte Geuers« Johannes
einspruchslos auf seinen Arbeiten sitzten,
derweil sich Stefan Runge in
mediales Schweigen hŸllte,
Falk Thiemel und Christoph
Beckmann zerschmolzen wie Stein und Eisen,
Rudi Heeckers hatte endlich
seine schwarze Seife, Magret und Eberhard Westphal planten Destille I,
Ewald Blauza grŸndet das erste
lokale Kulturmagazin, dat Ršggelche war geboren,
Wegbereiter fŸr †berblicke,
Prinzen und Stadtmagazine /
Peter Zopf band sich den
dalischen Lorbeerkranz reinkanierend ums Haupt,
Illona und Wolfgang Weber
schwelgten beruhigend in indischen Impressionen und
Hannes Berben assoziierte zum
Scheitern der sozialen Revolution,
in Ottmar Obers KŠstchen tobte
der Voodoo,
Peter Royen sen. suchte seinen
Filius, der war aber schon wieder weg um Junior zu werden /
Bruder Johannes feuerte Joseph
Beuys,
der das Feuer fŸr die Utopien
vom neuen Menschen entfacht hatte /
es ist wie der Atem einer
unendlichen Nacht,
Menschen und Begegnungen
vermischen sich mit den leisen
Liedern der Unterstadt,
eine Zeit der VerbrŸderungen,
dem Wunsch nach wirklichem,
selbstbestimmten Leben und
Handeln, nach frischer, fesselloser Kunst machte uns stark /
nichts erzŠhlt sich so schnell,
wie es oft gelebt oder gedacht wird,
um so mehr sollten wir bemŸht
sein unsere Zeitfensterzu šffnen,
denn all die vielen fights and
thoughts sind auch die Bausteine fŸr heutiges Denken und Schaffen /
72
in einer Nacht wie jener war«n
sie mal alle wieder da,
hŠtten da gewesen sein wollen,
fŸhlten sich wie dabei gewesen,
wurden kurz erblickt und konnten
lange verschwinden,
was blieb war ihre Energie /
in vielen Kunstnachrichten einer
Zeit wird Ÿber sie berichtet,
wenig nur in unseren eigenen
Geschichten,
nichts von diesen nahen,
menschlichen ZusammenkŸnften /
es ist unser who is who, was
sich sortieren will /
every
picture tells a story, every person is a sign /
wo immer du auch anklickst,
šffnet sich tunnelartig
der lange, vaginale Gang zum
Muttermund, wie ihn Doc Dehne,
Arzt und Poet im Weichbild der Hohestrasse so trefflich
beschrieb /
: ã Weh§e Jung, kick esch emol,
dat de dinn Sache he
Zuhuss gerŠjelt kriss, un wenn
se dich dann nit uss de Stadt jejahcht hand,
dann kanze he fielleicht
šwerlŠwe -
un dann kanze immer noch kicke,
wie et woangers iss,
nix iss so schšnn, wie ne Ort zu
hann, wo mo sich suh richtich johtfšhlt –
mit de Ohge stŠhle, un mimm
HŠhtz vozelle,
so hŠtt dinn Kunst en Chance zo
blšhe und du jett zu lache Ò
ereiferte sich einst Franz
Dix-Lotz lokalpoetisch, in einer dieser lauen SommernŠchte,
auf dem schon vergessenen
Vordach lŠngst entleerter Hinterhšfe einer habgierigen Jetztzeit /
you are discovered,
you are a DŸsseldorfer, ein
Ureinwohner, vom roten U,
ein alter Stadtindianer, kann
noch recht jung sei /
lokal
working – global thinking, worldweit acting artist
es entstanden unwillkŸrlich die
neuen Arbeitskollektive,
deren Wunsch es war, dem
Publikum soviel wie mšglich direkt selbst zu prŠsentieren, bestimmt,
verantwortlich /
Art-Fabriken, Kunstschulen, Mediengruppen, Theater, Werkstatt, Viertelskneipen,
Musikclubs, like a rolling stone /
das akademische KŸnstlertum
musste mal wieder aufgeweicht werden,
durch die vielen, die da
machten,
eins davon nannte sich Kunst und
sie kamen von Ÿberall her,
hatten ihren Weg gefunden,
suchten ihre SchauplŠtze, weshalb Ÿbergreifende,
freie Ausstellungsideen von
Nšten waren, ohne Marktzwang, Eliteschnickschnack oder GurugesŠusel,
working
class heroes unserer soeben entstandenen artfeelings –
gently
wheeps my guitar /
die Kollektive waren also wieder
einmal mehr gegrŸndet,
nie erahnte PlŠtze wurden ausgeforscht, Erlebniswelten
erschaffen,
Kunst mit Allem, mit Allen,
allez /
open air spectacle, yeah, unter
freiem Himmel, hand made
Multi-Medials,
kongeniale live music experiences
stršmten zu visionŠren Gro§bild-Projektioen und fantastischen Bildpoesien,
just for
free, KŸnstler in action, ES ist, it happend , it is, art ist /
first
sample loops, slam poetry, Fluxus, gang bang,
Lustprinzip including /
immer wieder hat einer schon was
gesehen, gehšrt, favorisiert, verinnerlicht, auserkoren,
zu seinem Ding gemacht, wir alle
als Extrakt eines ewigen, gewaltigen Prozesses, instant art /
das creieren in den eigenen
PfrŸnden, mit unseren selbstgeformten Kunstsprachen,
war das eigentliche
Lebenselexier, uns selbst verwirklichend, mŸndig werden,
mit Standpunkt, Charakter,
Phantasie,
dem QuŠntchen Mut der
Besessenen /
this old
house is build on dreams, what not money means /
anfang der achtziger wurden
ganze Stadtteile rebellisch,
die Ateliers šffneten gemeinsam
ihre TŸren,
die Kunst hielt Einzug in
Strassen,
auf PlŠtzen und Inseln, die
ersten wirklichen Kunstpunkte,
offene Ateliers erfreuten KŸnstler, Bewohner und Besucher
gleicherma§en /
l«art pour dš LŸtt /
82/83
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verwegen, die tagelangen
Power-Events in Bunkern, Schlšssern und Burgen, mit Zubringdiensten,
FŸhrungen, Wiederbelebung und
†bernahme,
Kunst und Kultur prŠgt Freizeit
und Lifestyle /
zum Altstadt-Fest fŸnfundachtzig
fand eine Idee nun endlich ihren Namen,
in diesem alten Kneipenhaus, wo
einst Daniel Spoerri schon seine eatart prŠsentierte, wurden alle Register
gezogen /
KneipenŸbernahme,
Instandsetzung, Kulturprogramm,
Gastservice + happy jams, KULTURvision:
85
Stadtindianer = Kunstbewegung 1985,
DŸsseldorf,
K o m p a s s Vertreter
kŸnstlerischer Zeitgeist-Ideen
Vorreiter, Vermittler,
Schamanen;
Ziel ist die Freiheit der Kunst
und ihre
Integration in zeitgenšssisches
Leben
86
kaum war dieser Bund
geschlossen, stand eine weitere Feuerprobe ins Haus,
ein letztes Mal,1986, wird die
Babs noch einmal zum Ankerplatz ungetrŸbter Kunstfreuden,
als Gesamtkunstwerk begonnen und
zur Sozialen Plastik verwachsen,
erstrahlte sie Ende 1991 zum
letzten good bye
Energiezelle + Infektionsort
Éin diesem letzten Jahr einer langen
€ra bŸndelten
sich die KrŠfte auf ungeahnt
starke Weise /
in der Stadt ist jeder sich
selbst der NŠchste -
Indianer suchen Gemeinsamkeit,
die individuelle Gemeinschaft,
die demokratische Verpflichtung
/
91
sie sind mehr die Leisen, die
unerschrocken auf ihrem
Pfad bleiben, miteinander,
vielseitig Ÿbereinstimmend /
Kunstparalellen versus
Kommunikation,
ein Envirement fŸr die Tage
danach, im Sinne der Zeit zuvor,
gesammelte Daten, Fakten,
Philosophien,
verschmolzen mit den eigenen
Erfahrungen eines angagierten Kunstlerlebens,
niedergeschrieben im ersten
Stadtindianer Gru§ von Tom A Hawk
und
Mecki M.Martin, im MŠrz 1991, im
Kunstraum Babs,DŸsseldorf /
ein richtig gutes Ding, dass
musste jetzt noch in Bewegung gebracht werden und
so entstand das Fluxus-Festival
91,
eine 70 Stunden Hommoage an
Joseph Beuys,
zum 70.Geburtstag, kongenial an
70 SchauplŠtzen, mit mehr als 70 KŸnstlern, Dokument-Center, Wanderschau mit
VorfŸhrungen, art live on tour,
auf dem Weg /
uber all die Jahre sahen wir
viele dieser Menschen wieder und
vertieften unsere
Kunstbegeisterung und Lebens-Freundschaften, reisten umher,
geladen zu Neuem , erfreut
darŸber, dass unsere Kunstauffassung und mitmenschliches Agieren
den infizierenden Zuspruch bei
vielen, neuen Seelenverwandten gefunden hat /
92
zweiundneunzig verabschiedeten
wir uns von diesem Grund,
verpackt und gebŸndelt stršmten
wir insungewisse Klare,
denn Kunst, ist klar, die musste
sein /
travelling art circus, multi
mediale Kulturattacken,
die Fadenspann-Projekte der Kunstscene DŸsseldorf
beflŸgelten Stadt und Land /
gro§fŠchrig wird ausgeswirrt,
jeder fŸr sich verfeinert
auf seine Art das persšnliche
Kunstempfinden /
crossover,
sometimes together - sometimes alone,
94
einige
hard headed Stadtindianer
suchen nach einem neuen
Ankerplatz fŸr ihre Kulturacts /
wie immer ging alles ratzfatz -
da hadde mir dŠ Verein,
Stadtindianer Club, DŸsselbar,
1.Etage, Hinterhof,
Ratinger xx, in der Altstadt, in
DŸsseldorf, zu Huss,
un loss jing et, wie om tam tam,
KŸnstler im frei jewŠhlten Ghettofight,
un wie miest, hŠtt die
Unvernunft gesiecht,
doch mir konnte en Meng šver uns liere, so von KŸnstler
un Vereinigunge,
Sozialtrara un
HŠuptlingsgemurmel /
doch mir losse ons joh nit
beirre,. un sind doh natŸrlich dšrsch, mit Karacho,
bis mir 1995 dŠ Verein widder
zum gemeinnŸtzige Fšrderkreis fŸr individuelle Kunstprojekte
umstrukturierten, wat fšr uns
KŸnstler von Vorteil wohr,
in sofern, dat et vorbei wohr
mit die VereinsquerŠlerun Selbstverhinderer /
seit her sind wieder viele Pfade
beschritten und
eine Menge neuer Spuren gelegt,
die Stadtindianer 91 e.V.
blieben stets verbunden,
mit all den zu hortenden
Weisheiten, den unerschšpflichen
Mšglichkeiten und traumhaften
Mitteln einer pulsierenden Jetztzeit /
Zwšlf Jahre Kunstgeschehen
hinterlie§en ihre Spuren, was dazu
bewegte,
die lange Tradition einer
Kunstidee und ihre Entstehung durch dieses Essay ins GedŠchtnis zu rufen,
die vielen KŠmpfer fŸr unsere
Kunst und unser †berleben,
en passon, unentwegt auf der
Suche nach dem Verborgenen,
den ungehšrten Geschichten
langsam verblassender Erinnerungen,
ein fršhliches Dada, gegen
Einbahnstrassen richtungsweisend
mehr als drei§ig Jahre gingen
ins Land, bis sich die vielen kleinen PuzzlestŸcke zum heutigen
KunstvermŠchtnis zusammenfŸgten /
1994 – 2006 history + documents
seit 2003 zu Gast im
Kunst Raum Projekt Apollinaris, DŸsseldorf -
Stadtindianer 91 e.V.
die signs of new art ideas sind dort
in einer umfangreichen
Werkschau zusammengestellt und
jahreszyklische
Themenfenster informieren Ÿber
Zeitgeistprojekte und
lokale Kulturlandschaft /
die Mittel, GerŠte,
Handwerkszeuge, Erfindungen der hand made art,
die Ideenscripte, Konzeptionen,
Publikationen,
Foto, –Ton, -Video-
Dokumente dieses Schaffens erzŠhlen
eine
bewegte story, des learning by doing, multi media art
in Rheinkultur /
es sind die Envirements eines
gro§en Umbruchs in rasendem Tempo –
mit uns selbst als
Protagonisten,
die noch immer voll Unrast ihrer
Passion folgen /
06.
endlich kšnnen wir es jedoch ein
wenig ruhiger angehen, ein wenig zeitwaise und lebensrelaxed,
um uns bewusst zu werden, dass
wir selbst es sind, die diese Ideen in erster
Generation erfanden, erprobten
und seither fortfŸhren mŸssen,
die eigenen Traditionen
bewahren,
um neue local work heroes zu
stŠrken im Flu§ der Jetztzeit /
was uns zu Beginn unserer
KŸnstlerleben zwangslŠufig enorm prŠgte,
war die Tatsache, dass sich auch
auf sozial- gesellschaftlicher Ebene ein generation cut vollzog,
der mit uns, vor allem durch
uns zu gewaltigen VerŠnderungen
im vergangenen Jahrhundert
fŸhrte /
ich wei§ nicht wie lange es her
sein kšnnte, ob es Ÿberhaupt jemals mal schon stattgefunden hat,
dass der Krieg der Knšpfe zur
life-story wurde, junge Menschen eines Jahrhunderts sich der veralteten
Lebenformen entzogen,
erfolgreich unbekannte Ideale
einsetzten,
um fŸr ihre eigenen,
futuristischen Lebensinhalte zu kŠmpfen,
we are
the people, we are the power /
08
das Bild im Kopf ist das Bild
aller Bilder,
nur werden wir es niemals zu
sehen bekommen -
die Kunst ist eine der
Mšglichkeiten,
eine ungefŠhre Vorstellung solcher inneren Bilder und Visionen
transparenter zu machen /
Die Stadtindianer haben sich vom
Muff
der veralteten Aktionsleeren
lange verabschiedet,
sind Beobachter ihrer Kunstwelt,
den darin lebenden Menschen,
biographische Sprachrohre,
Fšrderer ungewšhnlicher
Creativ-Gedanken,
dem unermŸdlichem Suchen nach
dem,
was sie so sehr leben, lieben,
eine wahre Kunst /
diese geschichte kann
wahrscheinlich endlos werden,
was mich angeht, werde ich nun
erst mal wieder ein bisschen Kunst machen,
dann sind wir auf der sicheren
Seite und haben vielleicht ein wenig Zeit fŸr neue Stadtindianer –
Abenteuer
Euer Mecki